Bamberg – Es endet hier und jetzt

Montagmorgen. 16.12.2013
Der Wecker schreit mich in seiner gewohnt unnachgiebigen Art um 5:40 Uhr aus dem Bett.
Weder Uhrzeit, noch Wochentag stehen in der Regel für Freude und Glückseligkeit.
Dennoch ziert ein fettes Grinsen mein Gesicht. Meine Mundwinkel reichen gefühlt bis an die Ohrläppchen und ziehen wie von Geisterhand die letzten Falten aus dem Kissen.
Nichts, wirklich gar nichts wird mir diesen Tag verderben!
Ich wuchte meinen, von den Strapazen des Vorabends geschundenen Körper aus dem Bett und überprüfe zunächst meine neurologischen Funktionen vor dem Badezimmerspiegel.
Bis auf das Dauergrinsen, welches sich allmählich in meine Visage einzubrennen droht, sind keinerlei Zeichen eines Schlaganfalls erkennbar, der mich nach diesem Sonntagnachmittag durchaus hätte ereilen können.
Frisch geduscht, den Fanschal nochmals triumphierend um den Hals geworfen und ab in die letzte Arbeitswoche!
Als ob der Basketballgott höchstpersönlich meinen Gefühlszustand von höchster Stelle bestätigt wissen möchte, trete ich hinaus in einen klaren Morgen, dessen orange Morgenröte am Horizont brennend den Erfolg des Vortages in das Ulmer Umland wirft.
Es wird ein guter Tag!

Drehen wir die Zeiger der Uhr um ein paar Stunden zurück, um den Grund meines endorphingeladenen Morgens in Erfahrung zu bringen….

Es ist Sonntag, der 15.12.2013.
Schon seit den frühen Morgenstunden wird mein Körper von einer massiven Unruhe geplagt.
Rastlos und ein wenig verstrahlt, begehe ich den Vormittag in einer Mischung aus Nervosität und Vorfreude, die sich auch nach der Einnahme von Koffein und Laugengebäck nicht legt.
Ich will nur noch in die Halle.
Es gilt Dämonen zu bekämpfen, die ihre dunklen Schwingen seit 12 Spielen über Mannschaft und Fans ausgebreitet hatten. Wie ein böser Fluch liegt eine Serie über uns, dessen Bannung alle Kräfte auf und neben dem Spielfeld erfordert.
Die Tränen der Trauer sind lange getrocknet, hinterließen aber zweifelsohne Narben auf unseren Seelen, deren Heilung nur noch eine Kleinigkeit entgegenstand.

Ein Sieg gegen die Brose Baskets aus Bamberg!

Bereits beim Aufwärmen kann man deutlich erkennen, das nicht nur wir Supporter diesen Sieg mehr als alles andere wollen.
Coolness und kleine Späße weichen in Anbetracht der bevorstehenden Aufgabe und machen Platz für den Siegeswillen, der sich unmissverständlich in der Körpersprache der Spieler abzeichnet.

Endlich Anpfiff.
Der Sprungball leitet den gedenkwürdigen Abend ein.
Ballbesitz für Bamberg. Und die „Unendliche Geschichte“ scheint seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Unser Gegner mit dem gewohnt routinierten Start, der jedoch nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass unsere Defense bis auf die Haarspitzen motiviert und bereit ist, das Spielfeld heute nicht kampflos zu verlassen.
Dafür leidet die Ulmer Offense zunächst noch unter der fehlenden Fortune, die eigentlich gut herausgespielten Würfe zu lochen.

Egal! Weiter, immer weiter!
Was dann folgt, darf gerne unter der Rubrik „ESKALATION“ in die Geschichtsbücher eingehen.
Die ohnehin schon brodelnde Arena verwandelt sich peu a peu in einen königlichen Hexenkessel, in dessen Dampf die Brose Baskets, weichgekocht werden.
Weder ein Anton Gavel, noch ein Casey Jacobsen finden auch nur annähernd zu ihrer Normalform.
Erste, mittelschwere Ausraster beim Publikum, nachdem Ulm im zweiten Viertel nicht nur die ausgleichenden Punkte erzielt, sondern auch die Führung mit in die Halbzeitpause nimmt.
Es steht die Geburtsstunde eines sagenhaften, beinahe magischen 3. Viertels bevor.
Dieses “Painkiller“-Viertel stellt die komprimierte Heilung der Qualen aus 12 Niederlagen dar.
Jeder Ulmer Block, jeder Rebound und jeder erzwungene Turnover wird ausgekostet.
Ulm nun mit dem Filetiermesser zwischen den Zähnen. Die Verteidigung mit einer unglaublichen Performance. Auch unter dem Brett entwickelt Ulm enorm viel Druck und gewinnt mehr als einen Hustle. Will fliegt, Per tanzt um Anton und der in letzter Zeit so oft gescholtene Adam knipst den Bamberg zusammen mit Phil das Licht von der 3er-Linie aus. Lediglich 4 Punkte können unsere Gäste in den 10 Minuten des Viertels erzielen.
Die Vorentscheidung war somit gefallen, der Sieg aber mit Nichten unter Dach und Fach.

Wir Ulmer wissen um die Stärke der Bamberger, gegen die wir zwischenzeitlich mit fast 20 Punkten führen.
Auch deshalb schreien wir uns weiter die Seele aus dem Leib, peitschen unsere Jungs unnachgiebig nach vorn. Meine Stimmbänder schmerzen mittlerweile unter den Jubelschreien. Für den Moment genieße ich diesen Schmerz.
Die Wahrnehmung des restlichen Spielverlaufs trübt sich unter der Aussicht auf den Sieg der Ulmer.

Es gilt nur noch weitere 10 Minuten auszuharren, ein letztes, kurzes Aufbäumen der Gäste zu ertragen um dann endlich den langersehnten Sieg zu feiern.Aus vorbei! Der Dämon ist besiegt. Ein unsagbarer Druck entlädt sich schlagartig in einer Orgie aus Umarmungen und Siegesschreien. Der Flüssigkeitspegel in meinen Augen ist ungewöhnlich hoch und ich bemerke, wie mir kleine Freudentränen über die Wangen rinnen.
Wie sehr habe ich mir diesen Moment herbei gesehnt. Und als unsere Helden ihren Siegeszug durch den Block antreten weiß ich, es ist wahr!

DANKE ULMER, AUF UND NEBEN DEM PARKETT!
IHR SEID DER WAHNSINN!

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