Jahreswechsel – Von der Aufgabe zur Hingabe

Die Blogpause ist vorbei.

Es wird Zeit, ein kleines Resümee aus den vergangenen Spielen zu ziehen.
Beginnen wir mit einer Bescherung der unvergesslichen Art, dem Weihnachtsspiel in München.

Meinen Auslandskrankenschein hatte ich eingesteckt und alle notwendigen Impfungen aufgefrischt.
Einer tollen Auswärtsfahrt stand somit nichts im Wege.

Mit mir folgten weit über 500 Ulmer dem Ruf der bayrischen Wildnis und machten sich in 5 Bussen auf den Weg in das Land des Stoibers und Hoeneß.
Spaß und Freude, die uns auf unserer Reise begleiteten, entschließen sich leider dazu, uns sehr schnell nach Anpfiff der Partie wieder zu verlassen.

Ulm erwischte einen – liebevoll ausgedrückt – rabenschwarzen Tag.

Konzept- und leidenschaftsloser Basketball zerschellte an dem Bollwerk der Münchner Defense.
Das wilde 3er Geballere, welches zum Leid der mitgereisten Supporter auch noch äußerst desaströs ausgeführt wurde, zauberte lediglich der NASA ein Lächeln auf die Lippen.
Der Münchener Luftraum rund um das Audidome war durchzogen von unbekannten Flugobjekten, deren runde, lederne Erscheinung ihren Ursprung eindeutig aus Ulmer Wurfhand fand.
Zug zum Korb? Fehlanzeige! Anscheinend wollte sich an diesem Tag keiner weh tun, geschweige denn, dem Gegner in der Defense ein paar „eindrücklichere Signale“ zeigen.

So war es wenig verwunderlich, dass die Begegnung mehr als deutlich verloren ging. Von der Annahme, dieses Spiel selbstverständlich zu gewinnen, distanziere ich mich ausdrücklich.
Wovon ich mich jedoch nur ungern abbringen lassen will, ist meine Erwartungshaltung gegenüber der kämpferischen Einstellung unserer Jungs.
Zu hoch ist das Potential eines jeden Spielers und erst recht das des Teams als geschlossene Einheit.

Mit Scham gebe ich zu, dass ich, entgegen meiner Art, die letzten Minuten im Außenring des Audidome verbrachte.
Etwas paralysiert, aber leider mit ausreichend neuralen Funktionen gesegnet, die unerträglichen Lobeshymnen des Münchner Hallensprechers über mich ergehen zu lassen.
Ich stellte mir die Frage, was zur Hölle mit der Mannschaft nur los ist?
Selbst Energizer wie Per und Daniel schienen über Nacht vergessen zu haben, wo der Akku die Reservelocken trägt.
Anstatt Airtime gab es jede Menge Airball.
Sparringspartner waren wir! Nicht mehr, obwohl wir es hätten sein können.

Verbitterung machte sich breit, die ich mir auf dem Heimweg, zusammen mit ein paar meiner Brüder im Geiste von der leicht auf Überstunden arbeitenden Leber redete.
Gegen Hagen war somit „Payback“ angesagt!

Ein unangenehmer Gegner um sich zu rehabilitieren.
Die verhältnismäßig kleine Truppe um Ingo Freyer spielte den zu erwartenden schnellen, offensiv geprägten und mitunter ruppigen Basketball.
Smallball ist meines Erachtens nicht etwa eine Hagener Tugend, sondern die natürliche Konsequenz aus dem Größennachteil.

Die Körpersprache der Ulmer, soviel konnte man zumindest ab der ersten Sekunde erkennen, war eine ganz andere als jene, die wir in München zu Gesicht bekamen.
Das erste Viertel einer, von beiden Seiten schnell und intensiv geführten Partie, konnten die Ulmer, Dank wiedergewonnener Offensivstärke für sich entscheiden.
Die Vorfreude war groß, meinen Gutschein auf Wiedergutmachung, welchen ich aus München mitgebracht hatte, bereits gegen Hagen einlösen zu dürfen.

Wenn da nicht das 2. Viertel gewesen wäre!
Ein Viertel, das man getrost dazu Verwendung finden könnte, die Parfümerie Douglas als potentiellen Sponsor zu gewinnen. „Come in and find out“ war das Motto, das die Ulmer Defense gegenüber den Donnervögeln ausrief.
Unsere Gegner schnupperten hier und da ein wenig an der Verteidigung, zogen dann spielerisch in die Zone und hinterließen uns, mit mehr als nur einem krachenden Dunk, ihre ganz persönliche Duftnote.
Es war zum Haareraufen! Wir waren dazu verdammt, den Sonntagsspaziergängen der Hagener zuzuschauen.

Ich verwette meinen Hintern darauf, dass Thorsten vor der Partie mindestens 100 mal ein donnerndes „Defense“ in den Katakomben der Arena erklingen ließ. Seine Worte schienen jedoch leichtfüßig die Gehörgänge der Spieler verlassen zu haben.
Sicher war unser Pater Leibenath deshalb gerne dazu bereit, sein Mantra in der Halbzeitpause nochmals zu wiederholen.
Ich weiß nicht, welche erzieherischen Konsequenzen er dabei ausrief, doch bei dem einen oder anderen Spieler lag wohl schon der Duft einer neuen, verbrannten Playstation 4 in der Nase, die zum Wohle des Teamspirits dem Geist der Defense geopfert werden sollte. Denn ab dem 3. Viertel zeichnete sich eine deutliche Steigerung ab.

Die Maschine Ulm lief, wenn auch hier und da noch etwas holprig, wieder auf Touren.
Somit waren Thorstens Arme deutlich weniger damit beschäftigt, wild um sich schlagend den Weg in Richtung Verteidigung zu signalisieren!
Hätte er in der ersten Halbzeit in beiden Händen ein Coachingboard gehalten, so wäre er wohl unter die Hallendecke geflogen.

Besonders erfreulich war die Wiederauferstehung Nankivils.
Ich mag den Kerl unheimlich, weshalb mir sein unerklärliches Formtief ziemliche Kopfschmerzen bereitete.
Gegen Hagen saßen seine Dreier endlich wieder und zauberten die langersehnten Jubelstürme herbei.

Dennoch war es etwas verwunderlich, dass gegen das Team aus Hagen, rund um das Scoringmonster Bell, alle Viertel gewonnen wurden. Der objektive Eindruck war zumindest ein anderer.

Ein immens wichtiger Sieg, um einerseits der das Team rehabilitieren sollte, und andererseits Garant dafür war, in der Tabelle nicht in der erweiterten Nachbarschaft zu Tübingen Platz zu nehmen.
UND DANN KAM IZMIR!

Bevor ihr denkt ich finde gefallen daran, die Mannschaft zu kritisieren (was für mich mit Nichten ein Genuss ist), lasst mich euch vom gestrigen Abend berichten.

Lasst mich von Heldentaten berichten, die fern der vergangenen Spieltage für Furore unter der Woche sorgen sollten.

Wie in der letzten Saison bereitet uns der Eurocup nur Freude.
Das ist schon mal eine Ansage, wenn man den durchaus mächtigen Gegner Izmir und dessen Star Bobby Dixon mit 19 Punkten aus der Halle fegt.
Die stolzen Türken auf dem Spielfeld sowie auf den Rängen wirkten beinahe fassungslos, in Anbetracht der kaltschnäuzigen und respektlosen Defense.
Eine kämpferische Leistung par excellenze!
Die letzte Baustelle „Rebound“, die gegen Hagen noch nicht mehr als eine Baugrube war, wurde gestern als Prachtbauwerk geschlossen. Hoffen wir, dass Sanierungsmaßnahmen vorerst ausgeschlossen bleiben.

Und wenn Per Günther bereits im 3.Viertel eine Alley Oop auf Daniel Theis auflegt, kann davon ausgegangen werden, dass es ein guter Abend wird.

Samba Sosa, der Mann zwischen Genie und Wahnsinn!
Die Nominierung zum 3er Shootout beim ASD ist durch seine gestrige Leistung durchaus begründet.
Wie er sich über seine eigene Leistung gefreut, die Menge gepusht hat, das ist es, was das Supporterherz höher schlagen lässt und in uns das Quäntchen Extrasupport heraufbeschwört.
Spielsysteme waren nicht nur erkennbar, sie wurden gegen die türkischen Brecher auch erfolgreich durchgezogen.
Kein Ball wurde leichtfertig hergegeben! Hier sei wiederholt Matt Howard hervorzuheben.
Christina Aguilera soll ihm bereits das Liedchen „Fighter“ gewidmet haben.
Help- und Deny Defense waren erster Güte.

Vor dem Spiel habe ich mich mit meiner Prognose (Ulm gewinnt, Nankivil macht ein super Spiel) etwas aus dem Fenster gelegt. Aber hey – ich durfte Recht behalten!
Keaton is back in business. Keep it up Kea! Mum Nancy is proud!

Gratulation auch an die türkischen Fans, die nicht nur guten, sondern auch fairen und freundlichen Support abgeliefert haben. So gehört sich das!

Abschließend möchte betonen, wie sehr ich die gestrige Defensivleistung gerne am kommenden Samstag wiederholt sehen möchte. Bitte Jungs, bringt endlich dieses Kind namens KONSTANZe zur Welt!

Wir spielen dabei gerne Geburtshelfer 😉

 

In diesem Sinne

Euer Sniper

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