Lieber Basketballgott…

.. du bist ein Drecksack!

Religionsstifter aller Völker und Glaubensrichtungen beruhigt euch.

Mein Affront ist nicht an den allmächtigen und alleinherrschenden CEO of Heaven gerichtet. Ziel ist vielmehr einer seiner Lakaien aus der Verwaltungseinheit Sport, Abteilung “Ballsportarten mit B“.
Ja, genau DU bist gemeint!
Du, der uns nunmehr seit Jahren mit gefälligem Grinsen von oben herab mit der Verletzungsseuche plagst.
Der uns Jahr für Jahr der Illusion einer vollständig gesundeten Mannschaft beraubst und uns in den entscheidenden Momenten einen Stock zwischen die Speichen des Glücksrads rammt.
Auch zu Beginn dieser Saison scheinst du jede Menge Freude in deinem Treiben zu finden.

Aber alles der Reihe nach…

Ich erinnere mich an die ersten Tage und Wochen der Offseason.
Untergangsstimmung in den diversen Onlineforen. Der Weggang diverser Leistungsträger, insbesondere der von Daniel Theis, stieß das Zugangstor in das von Angst und Schrecken dominierte Land weit auf.
Kritiker und notorische Dauernörgler malten in dicken schwarzen Farbschichten das Zukunftsbild des Ulmer Basketballs. In Anbetracht der Investitionsausgaben der Konkurrenz war es ein Leichtes, sich dieses Kunstwerk der Finsternis an die Wand zu nageln.
Doch mit jeder Neuverpflichtung wuchs die Euphorie um das zukünftige Team, die in der “last minute order“ von Tim Ohlbrecht gipfelte. Wichtige Baustellen, wie beispielweise die Aushubarbeiten jenseits der 3-Punkte Linie, sollten durch die “feindliche Übernahme“ von CJ Harris beendet werden.
Die Rehabilitation von Philipp Schwethelm, die Rückkehr von Will “the thrill“ Clyburn, die ersten Trainingsbilder des “verlorenen Sohnes“ Tommy Mason Griffin – all dies trug zur unbändigen Freude auf die Saison bei. Der Titel “Beste Ulmer Mannschaft aller Zeiten“ wurde dementsprechend vollmundig, aber durchaus berechtigt vergeben. Spieler wurden zu goldenen Zahnrädern die sich in allen Köpfen zu einer edlen Basketballmaschinerie zusammenfügte. Jeder wollte dabei sein, wenn diese Maschine zum ersten Mal in den Aggregatszustand “Betrieb“ wechselte. So war es nicht verwunderlich, dass sich ein ganzer Tross Ulmer Fans in Bewegung setzte, um sich ein Testspiel in Breitengüßbach gegen die Brösles aus Bamberg zu genehmigen. Zur Verzückung aller Mitreisenden konnte dieses Spiel gewonnen werden. Friede, Freude, Eierkuchen! Selbst die weniger erfreulichen Ergebnisse der darauf folgenden Vorbereitungsspiele konnte die unbändige Vorfreude auf den ersten Spieltag nicht schmälern.

Zeitsprung…

6 Spieltage später. Ernüchterung macht sich in der Gemeinde breit. Die Mannschaft kämpft verzweifelt damit, dem ihr von den Fans, aber auch (selbstmörderisch) eigens auferlegten Titel “Bestes Ulmer Team aller Zeiten“ gerecht zu werden. Against all odds. Und seien sie scheinbar überirdischer Natur. Genau hier kommt besagter Himmelsreichbeamter aus meiner Eröffnung ins Spiel. Es kann nicht mehr mit rechten Dingen zu gehen, wenn die Verletzungsmisere Jahr um Jahr so sicher eine Wiederholung findet, wie Beates Männerjagd auf RTL.

Der Alptraum der Ulmer Fans beginnt mit dem “Kniefall“ Per Günther. Öffnen wir die Krankenakte und verfolgen wir die Chronologie der Ereignisse. Kurz vor Saisonstart, in der Blütephase aller Träume, ereilt uns die Nachricht von einer nichtmehr umgehbaren Untersuchung des Beinwinkelstücks. Minimalinvasiver Eingriff zur Klärung der Bestandssituation. Klingt für den Laien folgendermaßen – Rein, raus, Pflaster drauf und weiter machen. Wer unseren Wuschelkopf beim Pre-Season Grillfest erleben konnte, durfte einen zweifelsohne positiven Eindruck seiner Gemütslage erfahren. Doch die Art und Weise wie er an diesem Tag seinen Bewegungsapparat unterhalb der Gürtellinie nutzte, lies berechtigt Zweifel an einer zum Saisonstart rechtzeitigen Genesung aufkommen. Unser Youngstar Sören Fritze schien sich in der Person Günther ein Vorbild auf JEDER Ebene gesucht zu haben und folgte ihm mit einem Kreuzbandriss in die Reha.

Wissend, oder besser gesagt hoffend, dass der Rest der Mannschaft nicht mit weiteren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, bereitete man sich frohen Mutes auf die Begegnung gegen Oldenburg vor.
Die Auftaktniederlage gegen Oldenburg war zwar schmerzlich, aber in Anbetracht des eingespielten Gegners, dessen Kaliber sowie des eigens noch jungfräulichen Teamplay verkraftbar. Sollte doch ein Trostpflaster in Form des lang ersehnten Auswärtssieges in Frankfurt folgen, der durch einen erkämpften Heimsieg gegen Braunschweig zur allgemeinen Beruhigung und Freude beitrug.

Die Maschinerie nahm langsam Fahrt auf. Doch gerade als die goldenen Zahnräder begannen nicht nur einzeln, sondern als Einheit zu glänzen und ineinander zu greifen, holte der allmächtige Basketballgott zum nächsten Tiefschlag aus.
Sein Zorn sollte uns in Berlin treffen, als Ulm ab der zweiten Spielhälfte auf den bis dahin genial aufspielenden Jaka Klobucar verzichten musste.
Bis zum heutigen Tage wird über der Verletzung des heiratswütigen Slowenen der Mantel des Schweigens genauso ausgebreitet wie über seine mögliche Rückkehr in den Spielbetrieb. (Kleiner Hinweis an die Verantwortlichen – DAS NERVT!)

Die gesamte Last des Spielaufbaus lag ab sofort auf den bulligen Schultern von Tommy Mason Griffin, der auch stets bemüht war diese Herausforderung anzunehmen. So sehr er auch sein Herz in diese Aufgabe gesteckt hat – der Kopf stand ihm dabei erkennbar im Wege. Seine Nervosität spiegelte sich in einer gehemmten Spielweise wieder. Brillant angedachte Assists verlieren ihren Zauber in genau dem Bruchteil einer Sekunde, in der er an der eigenen Genialität und Ausführung zweifelt. Genau die Zeit, ein Gegenspieler benötigt, um sein Vorhaben zu durchschauen. Er ist noch nicht vollständig zurück gekehrt. Aber keine Sorge, diese schwarze Perle wird noch für viele Glanzmomente sorgen. DAS WEISS ICH..DAS WILL ICH SO, DARAN GLAUBE ICH! Can you hear me, Tommy?

Bisherige Erfolge fanden ihren Nährboden nicht in der Vielfalt durchdachter Setplays, sondern vielmehr in Kampfesgeist, ordentlicher Defense und der Leistungsexplosion einzelner Spieler.
Exemplarisch möchte ich hier Will Clyburn nennen, der nach seiner Rückkehr aus den Staaten ein komplett neues Auftreten entwickelt hat. Selbstbewusster, bissiger und noch sprungfreudiger präsentiert sich unsere Nummer 21.
Die Geburt des neuen go-to-guys auf Seiten ratiopharm Ulm.

Da gibt es nur ein Problem. Die großen Hausnummern der Liga wissen, wie mit diesem Ulmer Spiel umzugehen ist, drehen hier und da am Stellschräubchen und nehmen unseren jeweils zur Höchstform auflaufenden Spieler aus dem Match.
Nicht verwunderlich, dass Will in den Begegnungen mit Berlin und Bamberg ab der zweiten Hälfte kaum noch in Erscheinung getreten ist.
Was mir jedoch regelmäßig die Fragezeichen in die Gehirnwindungen tätowiert ist das Phänomen 3tes Viertel. Was passiert da eigentlich in der Halbzeitpause?
Wer oder was entzieht der Mannschaft das Adrenalin? Werden die Jungs an die Testosteron-Dialyse angeschlossen?
Für mich bleibt es unerklärlich, wie die Mannschaft gegen Berlin und Bamberg in der zweiten Halbzeit förmlich zusammen brach.
Es fällt mir schwer, die Verletzungsproblematik als Alleinstellungsmerkmal der Ursache zu definieren.
Die Selbstverständlichkeit eines Sieges gegen diese beiden Teams sollte jedoch niemals Thema sein.

Sicher – es läuft derzeit nicht rund. Ich müsste mich der Lüge bezichtigen lassen, wenn ich schreiben würde, dass mich die sportlichen Auftritte und Ergebnisse vollkommen glücklich machen.
Welcher eingefleischte Fan könnte das schon? Zu sehr hängt unser Herz an diesem durchgeknallten Verein!
Und so kommt es vor, dass wir aus lauter Hingabe beginnen verbal um uns zu schlagen, wenn die Erwartungen und Hoffnungen von der Realität abweichen.
So lange sich Kritik objektiv und fern jeder Phantasie bewegt, halte ich sie auch für einen normalen und gesunden Bestandteil der Fankultur.
Keine positive oder negative Entwicklung wird jemals unter den Anhängern für Gleichgültigkeit sorgen.
Bleiben wir aber bitte in unserer Kritik fair und realitätsnah.
Die Art und Weise, wie einzelne Spieler in den anonymen Weiten des Internets voreilig verrissen worden sind zeugt von einer Arroganz die uns nicht zusteht.

Vielmehr liegt es genau jetzt an uns dem Team den Rückhalt zu geben, den es derzeit umso mehr braucht. Kehren wir mit unserem Support zurück zu alten Wurzeln, die in der Kuhberghalle gründen.
Als jedes Spiel die Bedeutung eines Playoff Spiels hatte, jeder Korb ein gefühlter Buzzerbeater war.
Lasst uns wieder den Heißhunger auf jedes Match spüren, den wir in Folge der Sättigung durch den Erfolg der letzten Jahre verloren haben und der sich nicht durch Zuschauerzahlen belegen lässt.
Zeigt den Jungs, wer ihr stählernes Rückgrat ist – komme was wolle!
Beginnen wir mit Hagen!
UND DANACH REISSEN WIR DIE VERDAMMTE HALLE IN TÜBINGEN EIN!

Es fühlt sich gut an, wieder in der Halle zu sein.
Bei Freunden und vielen anderen Wahnsinnigen die in ihrer Leidenschaft vereint sind.
Deshalb sollten wir nie vergessen, wem wir dieses Gefühl verdanken…

Wir sind Ulm, vereint auf Feld und Rängen!

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