Liebesgrüße aus dem Kühlschrank

Ulm im Spätherbst 2015.
Meine emotionales Befinden bewegt sich irgendwo zwischen massiver Unterkühlung und Gefrierbrand.
Verfluchter Sommer!
Du warst in vieler Hinsicht einfach zu perfekt und hast uns alle auf deine verführerische Art und Weise geblendet.
Hast uns im Glauben lassen, dass der erneute, totale Umbruch eines Teams eine Nebensächlichkeit sei die – unterstrichen durch die Erfolge der Preseason – zum Alleingänger wird.
Harmonie und Talent können eine süße Versuchung sein. Ein Köder, den der Fan zu gerne schluckt und in ihm den Nährboden für hoch angesiedelte Hoffnungen und Träume findet.
Anspielungen des Vereins, die uns Tagträumern indirekt in die Karten spielten, ließen ernsthaft und voller Überzeugung an eine glorreiche Saison glauben.
Spätestens als Per Günther und seine Mannen den Münsterplatz in orange tauchten, verstummte auch der letzte Kritiker vorerst, um an diesem Tag den letzten, tiefen Atemzug eines Jahrhundertsommers zu genießen.

Nur wenige Wochen später ist von der Euphorie wenig geblieben.
Die Auftaktniederlage in Berlin hatte ernüchternden Charakter und der Punktverlust gegen Würzburg konnte gerade noch als „Anlaufschwierigkeit“ tituliert werden.
Weitere Begegnungen mit Bonn und Crailsheim bereiteten den Fan jedoch „sanft“ auf den Kollateralschaden vor, dessen ganzes Ausmaß in Giessen endgültig zu erkennen war.
Verunsichert, willen- und mutlos ist das Auftreten der Ulmer.
Selbst alte Hasen lassen sich von der „Seuche“ anstecken und agieren – teils der massiven Last der Verantwortung geschuldet – überhastet und eindimensional.
Athletik verpufft in Anbetracht der mangelnden Spielfreudigkeit.
So feuern wir ein Team aus durchaus als hochkarätig zu bezeichnenden Spielern an, die scheinbar noch nicht erlernt haben, die Fähigkeiten ihrer Kollegen entsprechend der Situation zu fördern, zu unterstützen und in Szene zu setzen.
In direkter Konsequenz können Spieler nicht ihr volles Potential ausschöpfen, da ihnen hierzu die nötigen Freiräume zu Entfaltung fehlen.
Lassen wir das Thema „Plan B“ auf dem Spielfeld gänzlich unbehandelt.
Warum auch, es gibt ihn nicht. Er stirbt mit zusammen mit jeder Angriffswelle, die an einer halbwegs engagiert gespielten Defense des Gegners zerschellt.

Erfolge auf internationaler Ebene verfehlen ihren Beitrag zur Gesundung des Teamspirits.
Vielmehr tragen sie zum erschreckenden und hoffentlich falschen „Ich-kann-ja-wenn-ich-wirklich-will“ Eindruck bei.
Speziell der starke Auftritt gegen Valencia hätte – trotz der bitteren Niederlage – genug Selbstbewusstsein für den Ligabetrieb geben müssen.
Das Gegenteil ist jedoch der Fall.

Am vergangenen Samstag gleiten mir die Worte „Es ist vorbei…“ über die Lippen.
Ich beziehe mich dabei nicht auf die Spielzeit, sondern vielmehr auf das Ende aller Hoffnung, sich auf wundersame Weise doch aus eigener Kraft aus dieser Spirale der Hilflosigkeit zu befreien.
Kurzum – Es schmerzt unheimlich, derzeit Fan von ratiopharm Ulm zu sein.
(Noch ärmer kann man nur dran sein, wenn man VFB und ratiopharm Ulm Fan ist!)
Ein Schmerz, den man jedoch gerne auf sich nimmt, wenn sich in naher Zukunft einmal offiziell und deutlich dazu geäußert wird, welche realistischen Ziele selbst verfolgt werden.
Playoffs oder Abstiegskampf?

Ich bin bei allem mit vollem Herzen und Einsatz dabei und ich denke, ich spreche hier auch für euch.
Lasst uns gerne gemeinsam durch die Hölle gehen oder vielleicht doch höhere Ziele anvisieren.
Lasst uns euren Willen, eure Leidenschaft wieder bis hinauf auf die obersten Ränge spüren!
Gebt uns den Funken – Wir fackeln für Euch die Bude ab!
Unser Support wird niemals eine Frage des Erfolges sein.

Nachverpflichtung? Gerne!
Wenn er zur Gesundung dessen beiträgt, was uns Ulmer in erfolgreichen Zeiten immer auszeichnete.
Nämlich Teamplay.
Da brauche ich keinen Hero, keine Gallionsfigur.
Ich brauche das WIR Gefühl wieder. Die Spielfreude, die auf ganz natürliche Art und auch mit einfachsten Mitteln die Räume für Kreativität schafft.
Zeigt wieder das rotzfreche Gesicht, dass ein solch junges Team mit diesen Talenten eigentlich nach außen tragen sollte.
Seid böse, bissig!
Das ist EUER Korb, darunter wird nichts geduldet!
Ja verdammt Thorsten, ich will das Scoringboard wieder in Richtung Katakomben fliegen sehen.

Gebt uns gegen Göttingen ein wenig hiervon!
IHR, WIR, HIER UND JETZT!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.