Playoffs 2014 – Ein zu kurzes Vergnügen

Aus, vorbei, Schluss!

Zwischen der Hoffnung auf eine Fortführung des Playoff Märchens und dessen definitivem Ende liegen nicht einmal 48 Stunden.
Die Saison kann nicht vorbei sein. Nicht so, nicht hier, nicht jetzt!
Der Blick auf die Anzeigetafel scheint uns Recht zu geben.
0,7 Sekunden Spielzeit prangen, noch weit nach dem Spielende auf der Videoleinwand und sind Sinnbild unserer Gefühlslage.
Uns fehlt die letzte Chance, ein letzter Angriff oder besser – ein letztes Wunder auf den Sieg!
Die Zeit des Hoffens und Bangens ist jedoch vorbei.

Längst haben der Berliner Trainer Obradovic sowie die Spielerbank in Anbetracht des Sieges das Feld gestürmt und besiegeln das Ende der Ulmer Saison.
Es ist der gefühlte Sekundentod für jeden Fan.
Noch vor wenigen Minuten musste sich Berlin mit aller Kraft gegen den letzten Ansturm der Ulmer stemmen, der die Führung der Albatrosse Punkt für Punkt schrumpfen ließ.
Doch die Spieluhr kannte wenig Gnade mit unseren kämpfenden Helden.
Und so werden 0,7 Sekunden Restspielzeit zur Nebensächlichkeit, die im Zuge der Ulmer Aufgabe an Bedeutung verlieren.
Berlin besiegt uns im vierten Spiel vor heimischer Kulisse.

Bewusst wähle ich den Begriff „bezwingen“, denn nichts anderes entspräche der richtigen Definition dieser letzten Schlacht.
Ich blicke auf unser Team, das soeben nochmal alles in die Waagschale gelegt hat, um die Geschichtsbücher mit dem „Wunder von Berlin“ zu füllen.
Allen voran Per Günther, der seine Pferdelunge mehr als einmal vom Parkett zurück in den Brustkorb manövrieren musste.
Sein Gesicht prägt sich mir als erstes ein, welches in seiner Regungslosigkeit Stumme Schreie der Fassungslosigkeit ausstößt.
Eine weitere bittere Pille, die es für Mannschaft, Trainer, Management und selbstverständlich uns Fans zu schlucken gilt.
Als ob die Medizin dieser Art nicht bereits reichlich in der jüngsten Geschichte und nicht zuletzt beim Top4 verabreicht wurde!
Ausgerechnet der Apotheker bleibt in Persona Alba Berlin derselbe.

Für den Augenblick stelle ich mir die Frage, wie oft eine Mannschaft gewillt ist, den Schmerz einer verpassten Chance auf sich zu nehmen, ohne dabei dauerhaft Narben davon zu tragen.
Ich bin mir ziemlich sicher – kleinere Wundmale dieser Form sind bereits vorhanden.
Nur so lassen sich die teilwiese unerklärbaren Einbrüche in den Viertelfinalspielen nach teilweise deutlichen Führungen erklären.
Lediglich ein unglücklicher Pfiff gegen uns war von Nöten, um dem Ulmer Motor schlagartig den Kraftstoffschlauch aus dem Herz zu reißen und einen geordneten Spielbetrieb in eine Kombination aus wilden Würfen und selbstzerstörerischen Turnover zu verwandeln.
Die Zeichen der Verunsicherung, sie waren deutlich zu erkennen.

Umso schöner und unerwartet war die Auferstehung der Ulmer in der Fremde.
Hatten wir uns nach der Heimniederlage bereits gegenseitig einen schönen Sommer gewünscht und Alba den süßen Traum vom möglichen Sweep geträumt, machten sich unsere Jungs dazu auf, die Hauptstadt zu erobern.
Der Glaube an die eigene Kraft, an das eigene Potential war auf einmal wieder präsent.
Mögen viele den Auswärtssieg in der Schwäche der Berliner begründet gesehen haben, so bin ich ein Anhänger einer uralten Weisheit .
„Der Gegner spielt immer nur so gut, wie man es selbst zulässt“.
Eines verbindet das Ulmer und Berliner Spiel. Sitzen die Würfe von außen nicht, steht das Spiel auf Messers Schneide. Ulm gelang diesbezüglich in Spiel 3 einfach mehr. Vielleicht auch, weil man MEHR wollte.
Symptomatisch hierfür ist wohl Pers Buzzerbeater jenseits der 3-Punkte Linie zur Halbzeit.

Mit diesem Sieg war der Funke der Hoffnung wieder entfacht.
Die Region stand Kopf! Was, wenn die vierte Begegnung auch zu Gunsten der Schwaben ausfällt?
Würde Berlin Nerven zeigen?
Schlagartig verschwanden die emotional bedrückenden Melodien der Trauer aus den Hirnwindungen und mussten ihren Platz den kämpferische Klänge räumen.
Die Jukebox, die vor wenigen Stunden noch den Doors Klassiker „The End“ spielte, spuckte die Scheibe angeekelt und in hohem Bogen aus, um nun fortan die Liedzeilen von Hedleys „Fuck that, I can do anything!“ zum Besten zu geben.
Mit geschwellter Brust machte sich die Mannschaft und Fangemeinde auf, das „do or die“ Spiel in der ratiopharm Arena zu bestreiten.

Der tot geglaubte Samstag kam und die Massen folgten Thorsten Leibenath´s Ruf nach Unterstützung, welchen er als erstes Statement nach dem Sieg gegen Berlin ausgerufen hatte.
Der mögliche Ausgleich der Serie steckte wie ein feuchter Tagtraum in allen Köpfen und entsprechend groß war die Vorfreude auf ein weiteres Heimspiel.

Das erste und zweite Viertel der Entscheidungsschlacht lieferten das gewohnte Bild der voraus gegangenen Begegnungen.
Ulm, wie so oft, im Vorwärtsmarsch mit einem guten, teilweise zum mit der Zunge schnalzendem Setplay. Die Offense agierte frech und kaltschnäuzig.
Charaktereigenschaften, die man sich von der Ulmer Defense auch sehnlichst erhofft hatte.
Aber gegen die betont körperliche Spielweise der Berliner fand man unter dem Brett kaum zu eigener Stärke. Was sich auch leider in der Reboundarbeit niederschlug.
Deutliche Probleme im low post bescherte uns (über alle Spiele hinweg) Levon Kendall.
Seine Masse, in Verbindung mit einem zielsicheren Händchen, war nur selten zu stoppen.
In Kombination mit einem gewissen Herrn Logan, der an diesem Tag wieder mit einem göttlichen Wurf gesegnet war, gelang es den Berlinern,  mit einer 1 Punkte Führung in die Halbzeit zu gehen.
Logan rächte sich auf seine Weise an Per´s Buzzerbeater in Berlin.
Womöglich hätte das Spiel bis zum Schluss auf Messers schneide gestanden, wäre nicht wieder ein unsagbar grauenhafter Pfiff in Form eines unsportlichen Fouls gegen Eddie Sosa gefallen.
Das Technische Foul gegen Thorsten Leibenath lies leider auch nicht lange auf sich warten und so kam es zum Einbruch im Ulmer Spiel.
Die unglaubliche Performance von Daniel Thies konnte diesen Umstand leider auch nicht ändern.
Seine Vorstellungen während der Playoffs sind besonders hervor zu heben und werden leider auch zur echten Herausforderung für Herrn Oettels Geldbeutel.

Ich werde einen Teufel tun und den Schiedsrichtern die Schuld an der Niederlage zuschieben.
Zu groß ist mein Respekt vor der Berliner Mannschaft, in der ich definitiv den Meister dieser Saison sehe.
Es sei mir aber an dieser Stelle jedoch gestattet, wenn ich sage, dass ich es ich es mehr als dubios empfinde, wenn Herr Obradovic an der Seitenlinie mehrfach ermahnt wird, sein Muskelrelaxant einzunehmen und die Wasserspeifunktion einzustellen, jedoch das angedrohte Technische Foul nicht ausgesprochen wird!
Ach ja, wenn wir schon dabei sind!
Herr Schultze! Lassen sie sich wegen ihrer (freundlich  formuliert) taktischen Fouls keine grauen Haare wachsen! Ach, sorry. Zu spät!

Trotz der vielen kleinen Scharmützel auf dem Feld, wurde die weiße Flagge auf Ulmer Seite nicht geschwenkt.
Die Spatzen stemmten sich im letzten Viertel mit aller Macht gegen die Niederlage und dem damit verbundenen Ausscheiden aus dem Wettbewerb.
Und es sollte auch noch einmal brenzlig für Berlin werden.
Die Hauptstädter zeigten an der Freiwurflinie Nerven. Ein Umstand den Ulm zu nutzen wusste und die Führung Berlins bis auf zwei Punkte schrumpfen ließ.
Die Halle war in diesem Moment wieder voll da.
Noch einmal die Hölle entfachen. Noch einmal die Seele aus Herz und Lunge brüllen.
Der auf dem Sterbebett liegende Traum vom 5. Spiel hob ein letztes Mal die geballte Faust.

Letzten Endes gelang es den Albatrossen doch noch den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Die Uhr friert bei 0,7 Sekunden ein, als der letzte Berliner Angriff das 89:95 auf der Anzeigentafel einbrennt.
0,7 Sekunden für die Ewigkeit.
Jim Morrison betritt wieder die Bühne. „This ist the end…“

Das war sie also, die Saison 2013/14.
Mit all ihren Hochs und Tiefs.
Ich blicke mit einem überwiegend lachenden Auge auf sie zurück.
Der langersehnte Sieg gegen Bamberg steht gemeinsam mit der Niederlage im Finale des Top4 für den emotionalen Overkill.
1.000 Ulmer in Tübingen bleiben genauso unvergessen, wie die Auftritte im Eurocup.

Es gilt nunmehr Abschied zu nehmen von den Heldentaten dieser Saison und die Höllenqualen der Sommerpause zu erdulden.
Wir sind bemüht, unseren kalten Entzug durch den exzessiven Genuss von Eiscreme zu lindern und betäuben unseren Geist durch den Antritt eines Urlaubs.
Lange, laue Nächte voller Grillduft geschwängerter Luft lenken uns von unserer Sucht nach dem orangen Leder ab. Und für einen kurzen Augenblick schweifen unsere Blicke auf braune, Sonnenmilch getränkte Haut ab.
Lasst euch jedoch nicht täuschen – Basketball never ends!

Eine Antwort auf „Playoffs 2014 – Ein zu kurzes Vergnügen“

  1. Mir gefällt der Artikel sehr. Kann es gar nicht mehr erwarten, dass bald wieder die Playoffs losgehen. Hoffe wir behalten den vierten Platz und damit das Heimrecht. Will so sehr weit in den Playoffs kommen.

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