Stirb Sommer, stirb!

Ich schüttele die letzten Körner Sand aus den Sneakers.
Der Sommer ist vorbei und mit ihm endet die lange Durststrecke namens Offseason.
Vieles hat sich verändert.

Veränderungen die absehbar, aber auch überraschend kamen.
Aus Braydon und Augustin wurden „Rothäute“.
Der MVP mit NBA-Ambitionen landet zur Überraschung vieler in der Türkei während Taylor Braun klammheimlich von den Utah Jazz gesigned wird.

Die Spielerbewegungen – insbesondere nach München und Bamberg – schmerzten trotz all ihrer Vorhersehbarkeit.
Umso mehr erfreuten wir uns am loyalen Zugeständnis eines De´Sean Butler, der in Ulm eine zweite Heimat gefunden zu haben scheint und zusammen mit Per und Tim das Fundament des Ulmer Basketballs darstellt.

Schnell legte sich die kurz aufkeimende Skepsis über die Qualität der Neuverpflichtungen die, mit der Rekordsaison im Nacken, ein schweres Erbe antreten.
Scheinbar trotzig im Anbetracht des Ulmer Ausverkaufs gelang es dem Management nicht nur für adäquaten Ersatz zu sorgen, sondern auch den einen oder anderen Verpflichtungscoup zu landen.
Auf dem Papier sollte der Qualitätsanspruch den Vergleich zum Vorjahreskader Stand halten.
Hier und da vernahm man auch bereits wieder den beinahe obligatorisch ausgesprochenen, schwäbischen Zauberspruch vom „stärksten Ulmer Kader aller Zeiten“.

Der Samstag läutete nun endgültig das Ende der Qualen, der Folter der Wartezeit ein.
Ein Samstag dessen verheißungsvolles Vorspiel in Form eines traumhaft sonnigen Herbsttages perfekt an die Dramaturgie des Season Openers angelehnt schien.
Mit Berlin erwartete Ulm zudem auf Anhieb ein Gegner, der Klarheit über den tatsächlichen Leistungsstand der Mannschaft verschaffen sollte.

18:00 Uhr – Showtime!
Alles wie gewohnt, alles beinahe schon mit schlafwandlerischer Sicherheit zelebriert, aber dennoch immer wieder so schön wie beim ersten Mal.
Wir heißen unsere Jungs in der Arena willkommen. Dichte Nebelschwaden durchziehen die Arena und tauchen den Spielraum in eine passende Szenerie um alte und neue Namen lauthals unter die schwüle des Hallendaches zu brüllen.
Dabei stellt sich der Mittelname von Isaac Fotu als brillante Trockenübung für jegliche Form eines Zungenkusses dar.
Der körpereigene Adrenalin-Endorphin-Cocktail feiert Happy Hour.
Season 2017/18! Endlich!

Leider endet die Spannung an diesem Abend sozusagen mit dem Sprungball.
Ulm soll den ganzen Abend nicht wirklich zu seinem Spiel, geschweige denn zu einem Rhythmus finden.
Offensiv gestaltet sich der Ulmer Auftritt zu großen Teilen durch Einzelaktionen die teilweise mit der Brechstange vorgetragen werden, aber nur allzu oft am Berliner Defense-Bollwerk unter dem Korb zerschellen.

Berlin ist uns in Hinblick auf die Körpergröße naturgemäß überlegen.
Die Lösung hierfür liegt eigentlich in der traditionellen Ulmer Spielweise.
Aber schnell vorgetragene Bälle über mehrere Spielstationen verblieben Mangelware.
Setplay und Laufwege sind an diesem Abend deutlich identifizierbare Baustellen, die durch Einzelleistungen kompensiert wurden und zumindest ein Davonziehen der Berliner verhinderte.

Leider muss man auch der Defense das rote Absperrband verpassen.
Ein ums andere Mal fand die Berliner Offense mit traumwandlerischer Sicherheit die Lücke in der Ulmer Verteidigung, die gefühlt immer einen Tick zu langsam am ballführenden Mann war.
Da das Switchen ebenso suboptimale Ergebnisse lieferte entstanden Missmatches auf Ulmer Seite, den die Berliner gnadenlos ausnutzten.
Help Defense als Mittel gegen Missmatches? Leider Nein, leider (fast) gar nicht…

Insgesamt wirkte das Team etwas mutlos und nicht gerade von Kreativität sprühend.
Der Ulmer Spielstil – ob er nun neue Variationen oder Verlässliches auf der Tagesordnung stehen haben wird – er muss noch heranreifen.
Als Sinnbild hierfür dienen die Missverständnisse und ungenauen Passspiele der Ulmer.
(Isaac Fotu bekommt den Ball in den Rücken und selbst das routinierte Duo Günther/Butler lieferte ein kurioses, im Seitenaus endendes Passspiel ab)

Aber relativieren wir den scheinbaren „Fehlstart“.
Was fehlt ist Routine, die man aber zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht erwarten muss!

Ich bin mir sicher, dass dieses Team – insofern es zwischenmenschlich keine, oder zumindest nicht allzu große Reibungsverluste gibt – nicht einmal 50% seines Könnens präsentierte.
Es gilt Fotu und Murry noch besser zu integrieren um den Druck auf die Zone zu erhöhen.
Ein Auftrag der sicherlich auch auf den Schultern von Ryan Thomson liegt.
Von den hieraus resultierenden Freiräumen können unsere Aufbauspieler Ismet und Per in ihrem Spielaufbau profitieren.
Das Pick&Roll sollte spätestens mit der Rückkehr von Tim Einzug im Ulmer Spielbetrieb finden und auch mit einem durchaus wendigen Luke Früchte tragen.
Überraschend schnell und durchaus gut hat sich Ismet im Team eingefunden und ist für mich bereits jetzt ein Garant für eine bissige Defense. Ganz nebenbei sorgt er als Backup für Entlastung im Spielaufbau.
Trey wird in Punkto Scoring sicherlich noch für viel Freude sorgen. Lediglich beim Ballvortrag habe ich manchmal etwas bedenken, ob die relativ weit vom Körper orientierte Ballführung zu anfällig für Steals ist.
Besonders freue ich mich für David Krämer, der einen weiteren Schritt nach vorn, hinaus aus dem Schatten des Reservespielers gemacht zu scheinen hat.

Die Wundertüte Ulm wird noch jede Menge Überraschungen für uns parat halten!

Aber nun erst einmal abwarten, was der Mittwoch bringt.
Ob die Erkenntnisse aus dem Berlin Spiel bereits erste Änderungen an den Tag legen oder das Team mit einem gänzlich anderen Auftritt die erste Saisonniederlage bereits zum Ausrutscher degradiert.
Gegen Bonn sicherlich kein leichtes Unterfangen.

Happy Season!

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