Stress hausgemacht…

9 Sekunden vor dem Ende eines schon fast verloren geglaubten Spiels, stand der orange gefärbte Hexenkessel kurz vorm überkochen.
Ulm nur noch mit einem Zähler im Rückstand, nachdem man sich Dank konzentrierter Defense wieder an Bonn heran und sogar kurzzeitig vorbeigekämpft hatte. Das Momentum lag auf Ulmer Seite, der Spielausgang in Ulmer Hand.

Es war ein Abend, der das Potenzial dazu hatte, in den geistigen Archiven der Fans unter der Kategorie „Never give up hope“ einen ruhmreichen Platz einzunehmen.

Als mein Blick vor den besagten 9 Sekunden durch die Arena schweift, ist jeder bereits darauf vorbereitet, ein weiteres Stück Hochgefühl mit hinaus in eine kalte, adrenalingeladene Herbstnacht zu nehmen.

Per Günther, der einen Großteil dazu beitrug, dass das Ulmer Schiff überhaupt wieder auf Siegeskurs schipperte, steht an der Seitenlinie um das Leder zum finalen Angriff der Begegnung einzuwerfen.
Der Ball verlässt seine Hände und…. nimmt seinen unheilvollen Weg zum Bonner Spielmacher Jared Jordan auf.
Die Ulmer Fangemeinde schockgefroren, während sich bei den mitgereisten Bonner Fans die im Verlauf des letzten Spielviertels aufgebaute Resignation und Angststarre in pure Ekstase verwandelt.
Aus, vorbei! Ein in Zeitlupe durchgeführter Dunking besiegelt das endgültige Ende einer epischen Schlacht. Bonn siegt. Ich koche innerlich, hege aber nicht den geringsten Groll gegenüber Günther, der im “Normalfall“ diesen Balleintrag sicher an den Mitspieler gebracht hätte.
Aber weder das Spiel, noch die Akteure auf Ulmer Seite, machten auf mich den Eindruck des “Normalfalles“.
Selbst das Küchenpapier in den Fressständen der Arena war nicht so von der Rolle, wie manch einer unserer Jungs.

Ich hatte darauf gehofft, aus dieser Begegnung erstmalig in dieser Saison aussagekräftige Eindrücke über das Leistungspotenzial unserer Mannschaft gewinnen zu können. Aber nach dieser Vorstellung wissen wir nichts, außer dass Ulm bereit ist zu kämpfen!

Rein spielerisch gesehen, war das bestimmt kein Spiegelbild dessen, was wir wirklich von UNSEREN JUNGS erwarten können.

Was war mit unserem Center los? Trent zwischenzeitlich mit gravierenden Defiziten beim Ballhandling. Und anders als sein Pendant auf Bonner Seite, fand er in den ersten drei Vierteln überhaupt nicht zum Spiel “in the paint“.
Einfache Punkte wurden zur Verzweiflung des Publikums von Thorstens Mannen liegen gelassen.
Und selbst unsere Punktegaranten Hess und Long waren nicht mit der nötigen Fortune gesegnet, dem Team wegweisende Impulse zu liefern und somit die angezogene Handbremse zu lösen.
Was soll ich zum Jungbrunnen Clyburn sagen, der im Spiel gegen Bremerhaven seinen “Hunger“ eindrucksvoll am Gegner gesättigt hatte und nun auf Diät gesetzt wurde. Zwar zeigte er den Willen Verantwortung in einem schwierigen Spiel zu übernehmen, doch seine beherzten Anstürme auf den gegnerischen Korb zerschellten an einer Defense, die seine oftmals ungestümen Antritte routiniert auszubremsen wusste.

Schön, dass zumindest Per Günther mit fortschreitendem Spiel seine Nerven besser unter Kontrolle hatte. Doch kann es nicht die Aufgabe eines Aufbauspielers sein, die Mannschaft durch – teilweise artistische – Distanzwürfe wieder ins Spiel zu bringen.

Coach Leibenaths Gesichtszüge sprachen Bände. Natürlich auch bedingt durch die Art und Weise, wie die “Pfeiffenbläser“ aus Kuschelhausen die ein um andere, BBL übliche Verteidigung der Ulmer beurteilten. Dem Schiedsrichtergespann jedoch die Schuld an der Niederlage zuzuscheiben, halte ich dennoch für unangebracht.

Eins möchte ich nochmals sehr deutlich betonen – DAS IST NICHT ALLES, WAS ULM ABLIEFERN KANN UND WIRD. Davon bin ich überzeugt.

Mein Resümee aus dem vierten Spieltag.
Ulm leidet derzeit an einer Art verspätetem “Elf-Uhr-Loch“ das sich gerne nach der ersten Halbzeit bemerkbar macht. Ich hoffe, dass sich dieses wiederkehrende Phänomen bald einstellt, bevor ich demnächst auch noch Knoppers an die Jungs verteilen muss.
Rebounding sollte wieder mehr in den Fokus geraten, um die doch eigentlich gut funktionierende Defense nicht ihrer Früchte zu berauben.
Und wenn die Offense die bereits gezeigten Qualitäten festigen kann, steht einer weiteren, total abgedrehten Saison nichts mehr im Wege.

Jetzt gilt meine Vorfreude dem Mittwoch, wo unser erster Auftritt im Eurocup auf uns wartet. AUCH HIER WERDE ICH WIEDER ALLES FÜR UNSERE GELIEBTEN ULMER GEBEN! IHR AUCH?

Beste Grüße

Euer (immer noch gefrusteter) Heckenschütze

P.S. Der Idiot, der nach Spielende lauthals „So eine Sch***“ aus dem Autofenster gebrüllt hat war meine Wenigkeit. Sorry!

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