Tiefschläge – Ein gewöhnlicher Saisonstart

Ich schlage meine Hände vors Gesicht, versuche meine Augen vor der Schlagzeile des Tages zu verbergen. Die kurze, kindische Hoffnung, mich verlesen zu haben, begrabe ich unter 1000 schwäbischen Flüchen. Sollten die Toten in den kommenden Nächten aus ihren Gräbern auferstehen, nehme ich alle Schuld auf mich.
Aber die von ratiopharm Ulm verkündete Schlagzeile trifft mich wie eine Abrissbirne in die Magengrube. Achillessehnenriss bei Tommy Mason Griffin!

Die Vorfreude auf die Saison und dem uns bevorstehenden, letzten Vorbereitungsspiel ist schlagartig verpufft. Für den Moment fühlt man sich leer und unsicher. Ein eben noch voller Freude kräftig pochendes Fanherz liegt – der Brust entrissen – zu Füßen und wartet darauf reanimiert zu werden. Hat der Junge nicht genug durchgemacht? Bad Karma?

Und dabei wollte ich an dieser Stelle nur zu gerne von seinen hoffnungsvollen Auftritten in den Vorbereitungsspielen berichten.
Ich durfte, genau wie im letzten Jahr, Zeuge eines fitten, bis in die Haarspitzen motivierten Point Guards werden. Wieselflink auf den Beinen, mit geschmeidigen Crossover-Bewegungen, die letzte Zweifel an einer vollständigen Rehabilitation verfliegen ließen.
Aber das sehnsüchtig erwartete Comeback geht in Rauch auf und treibt vielen Ulmern nach erstem Entsetzen mitunter das eine oder andere Tröpfchen Wasser in die Augenwinkel. Manager Thomas Stoll postet „Es ist so zum K……. Tommy ist der Sonnenschein der Mannschaft“

Das ist es, was den „kleinen“ Wirbelwind, neben seinem Kämpferherz und Talent zu einem der Lieblinge der Ulmer Fans macht. Fighter, Beisser und Motivator, der vorerst wieder dazu verdammt ist, die Bank zu drücken. Kann er den langen Weg der Reha nochmals so fokussiert gehen? Wie wird seine Psyche damit klar kommen?
ICH WÜNSCHE DIR VIEL KRAFT TOMMY!

Doch mit Nichten ist die Zeit gekommen, einen Abgesang auf die Mannschaft und deren Möglichkeiten und Chancen anzustimmen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit dem neuen Kader auch dieses Jahr wieder viel Freude haben werden. Ein hungriger, stopffreudiger Will Clyburn vereinigt Athletik und Explosivität in Persona. Im 1 zu 1 durchaus eine Herausforderung für die Guards der Liga.
Sein Abschluss war in den Testspielen vielleicht hier und da ein wenig zu übermotiviert.
Aber Testspiele dienen nun einmal auch dazu, sich zu repräsentieren.
Cam Long überzeugte mich bis jetzt durch seine unbändige Energie auf dem Parkett und scheint ein Garant für eine konstante Punkteausbeute zu sein. Ein geschmeidiges Händchen hat er zweifelsohne. Er macht Spass!
Eiskaltes Händchen hingegen bei unseren jungen Wilden Ferner und Maier.
Sehr routiniert, beinahe respektlos gegenüber dem Lampenfieber und Gegner spielen beide bereits auf sehr hohem Niveau. Und wenn ich das türkische Daumenkino richtig interpretiert habe, dann dürfen wir uns mit Trent Plaisted über einen ungewöhnlich beweglichen Fighter unter dem Korb freuen.

Natürlich stehen die, beinahe schon üblichen, Fragezeichen über den Krankenakten der Personen Schwethlem, Nanikivil und Howard.
Ob Till Joscha den Ausfall von Tommy kompensieren wird, ist eine offene Frage.
Ich erinnere mich jedoch daran, wie vor ein gewisser Dru Joyce verletzungsbedingt auf der Ulmer Bank Platz nehmen musste und somit Per Günther, damals als Rookie, dieses mächtige Erbe antrat.

Wir sind es traditionell gewohnt, die Saison mit personeller Schwächung zu beginnen.
Warum sollte es dieses Jahr anders sein?
UND WARUM SOLLTEN WIR NICHT AUCH DIESES JAHR ERFOLG HABEN!

Kopf hoch Ulmer!

Euer Heckenschütze

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