T(r)ierische Aufregung

Was für ein Wochenende!
Ein rothaariger, aufgedunsener Ex-Tennisprofi trägt einen inszenierten Konflikt mit einem blonden Pygmäen-Comedian zur Beschämung einer klar denkenden Bevölkerung live im Fernsehen aus.
In Berlin erfährt Angie Mörtel (Name von der Redaktion geändert), dass Sie von einem farbigen Mann mit großen Ohren gestalkt wird.
Und als ob das Elend nicht bereits groß genug wäre, wird Deutschland von einer Künstlerin heimgesucht, die sich selbst “Lady“ nennt und ihr nur durchschnittliches Gesangstalent hinter Verkleidungen versteckt, die derart bescheuert sind, dass sie eigentlich nur von einem im Pilzrausch hängengebliebenen Hobbit zusammengeflickt worden sein können.

Wie gut tat hier der Gedanke an den Samstagabend. Die Aussicht auf einen Spiel unserer Jungs lies den uns allumfassenden Wahnsinn erträglicher gestalten und machte Hoffnung auf einen freudigen Ausklang der Woche. Zwei Stunden Basketball können Seelenbalsam sein….
WENN SIE NICHT GERADE WIE AM LETZTEN SAMSTAG VERLAUFEN!
Der Spielverlauf, insbesondere in der ersten Hälfte, wirkte auf uns Fans wie eine semiprofessionelle Botox Behandlung in einem Neu-Ulmer Hinterhof.
Die ersten 5 Minuten des Spiels führten bereits zu Lähmungserscheinungen in der Lachmuskulatur der Fans. Aber spätestens zum Halbzeitpfiff regierte in den Ulmer Gesichtern der emotionale Gefrierbrand.
Die Art und Weise, wie sich unsere Helden präsentierten warf Fragezeichen auf, die ich persönlich nach der guten Performance gegen Valencia eigentlich für immer beerdigen wollte.
Ich möchte der Mannschaft von Trier für ihre Leistung und den verdienten Sieg gratulieren.
Schließlich wurde uns von der Gastmannschaft das präsentiert, was wir uns insgeheim von unseren Ballspielern erhofft haben. Biss, Wille und Selbstüberzeugung.
Man darf gegen Trier verlieren, darüber gibt es nichts zu diskutieren. Aber es muss auch erlaubt sein, ein paar kritische Fragen zu stellen, die diese Begegnung aufgeworfen hat.

Wie konnte es sein, dass die Trierer in teilweise spielerischer Leichtigkeit zum Korb ziehen konnten?
Warum funktionierte das pick-and-roll nicht ansatzweise?
Per wieder derjenige, der uns durch seine Einzelaktionen und unbändigen Siegeswillen zurück ins Spiel brachte, aber teilweise – ganz entgegen seines eigentlichen Naturells – ohne die nötige Übersicht. 5 Assists im ganzen Spiel sind nicht gerade ein Indiez dafür, dass wir Zeuge eines Spiels sein durften, welches auf Ulmer Seite auf durchdachte Spielzüge aufgebaut war.
Wer gibt Clyburn den nötigen Zuspruch, damit er die Handbremse vollständig lösen kann?
Was führt zu seiner Initialzündung?
Ja, ich weiß, er ist ein Rookie und man muss ihm die nötige Zeit gewähren um sein Leistungspotential voll zu entfachen. Aber mir scheint, als ob dieser Flieger immer kurz vor dem take off nochmals die Bremsklappen ausfährt.
Adam Hess und Cam Long derzeit einfach auch mit der Seuche an den Händen. Wobei ich mir auch bei Long die baldige Explosion auf dem Parkett herbei sehne.
Und wie konnte man es, nach der erst kürzlich gewonnen Erfahrung beim Spiel gegen Bonn, wiederum nicht schaffen, eine grandiose Aufholjagd mit einem Sieg zu belohnen.
Alles sprach für uns. Nur vielleicht die Angst vor der eigenen Courage nicht?
Warum muss Nankivil derzeit aus der Not und nicht aus dem Spiel heraus den Abschluss finden?

Aber neben der ganzen Diskussion um das Hoch und Tief der einzelnen Spieler gibt es etwas, dass mir weit mehr Sorgen bereitet. Wie steht es um das Mannschaftsgefüge? Ist er noch existent, der Ulmer Teamspirit, der uns in den letzten Jahren so viel Freude bereitete und Grundstein allen Erfolges war.
Ist das Ulmer Team noch eine geschlossene, breite Brust?
Ok, es klingt wirklich etwas abgedroschen.
Aber im Moment kann man die Situation mit dem 3. Teil der “Rocky“ Saga vergleichen, in der ein müde gewordener Rocky Balboa zunächst tierisch auf die Kauleiste bekommt, seinen Titel verliert und nach intensivem Training wiedererstarkt mit dem „Auge des Tigers“ zurück in den Ring steigt und zu alter Stärke findet.
Auf geht´s Jungs. Macht euch auf die Suche nach dem „Auge des Tigers“!
Spätestens wenn wir auf unsere Freunde aus Tübingen treffen, solltet ihr es gefunden haben, oder zumindest nach Spielende in der Hand halten… 😉

Ich bin immer noch geplättet von den Eindrücken des Spiels, aber weit davon entfernt, die Saison bzw. die Mannschaft abzuschreiben. Etwas rumort in den Katakomben der Arena und wartet darauf mit voller Energie freigelassen zu werden.
Tragen wir unseren Teil dazu bei, dass dieses Biest endlich von seinen Ketten befreit wird…
Thorsten, make some noise! We need a wake-up call!

Für heute bin ich draußen!

Euer Heckenschütze

Comments ( 2 )

  1. ReplySchwester S

    Lieber Heckenschütze! Ich muss hier jetzt auch mal ein dickes Lob loswerden: Es bereitet mir immer wieder Freude Deine Beiträge zu "unseren" Ulmern zu lesen und zaubert mir grundsätzlich ein fettes Grinsen ins Gesicht :-) Du sprichst mir echt aus der Seele mit Deinen Texten - mach weiter so! P.S. Warum ist Dein Blog auf der Homepage von ratiopharm Ulm nicht mehr verlinkt? Oder habe ich da was übersehen???

    • ReplyMarcus Heckenberger

      Liebe Sandra! Herzlichen Dank für deine Worte, die neben Seelenbalsam natürlich auch Ansporn und Motivation für mich sind. Der "Heckenschütze" ist (nach wie vor) auf der Homepage der Ulmer verlinkt. (Jetzt hab ich mir schon fast Sorgen gemacht :) ) Man findet ihn dort im Bereich "Orange Zone" auf der rechten Seite. Gruß Marcus

Leave a reply

Your email address will not be published.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

%d Bloggern gefällt das: