Ein Nachruf auf einen der wohl schönsten Tage der Ulmer Basketball Neuzeit

Sonntage.
Man lebt sie in der Regel im niederen Drehzahlbereich, beinahe andächtig und den Regularien der eigenen Erziehung entsprechend in schwäbisch gelassener Ruhe.
Sie stehen selten für Momente ausgelassener Emotionen, respektive der gelebten Ekstase.
Oft betitelt als „Familientag“ in einer beinahe unantastbaren Heiligkeit fristet er sein – durchaus berechtigtes – Dasein im Wochenkalender.

Der 11.12.2016 war ein Sonntag.
Doch bis auf den Namen hatte er wohl nur wenig gemeinsam mit seinen 51 terminalen Brüdern und Schwestern des Kalenderjahres 2016.
Er steht vielmehr für einen Tag, der in den Köpfen der Ulmer Basketballfans als nahezu perfekter Spieltag verbleiben und  wie ein virtuelles Branding tiefe, aber angenehme Narben der Erinnerung hinterlassen wird.
Er ist Sinnbild für den Moment, als der Ulmer Basketball endlich aus dem Schatten des netten Underdogs, hinein in den Fokus der Meisterschaftsaspiranten trat.

Gibt es genügend Worte um die Intensität der Emotionen des Spiels gegen den ewigen Gegner Bamberg in Schrift verewigen zu können?
Wagt man, die Freude über eine der bedeutendsten Vertragsverlängerungen der Liga annähernd zu umschreiben, die mit und durch die Person Per Günther verkündet wurde?
Ich scheitere dabei den Glücksmoment zu umschreiben, als Per in beinahe gewohnter Lässigkeit sein „Ja“ zu zwei weiteren Jahren Ulm verkündete und mir die Sicht auf das Spielfeld für kurze Zeit verwässerte.
Ein Statement zu Verein, Stadt und Zukunft des Ulmer Basketballs.
Der PERmanent Marker hinterlässt hiermit seine ewigen Initialen auf dem Whiteboard der Ulmer Legenden bereits zu aktiven Zeiten.
Man muss schon ein absolut emotionsbefreiter Mensch sein, um diesen gestrigen Moment vor dem Spiel nicht laut schreiend vor Begeisterung und mit einer Träne im Knopfloch erlebt zu haben.

Gleiches gilt für das Spiel, dessen Ausgang in dieser Form wohl in den wenigsten, wilden Fantasien voraus zu sehen war.
In meinem voraus gegangenen Blog habe ich darauf gehofft, der uns bis dato verschlossenen Tür zur Meisterschaft einen ordentlichen Tritt zu verpassen.
Wer konnte ahnen, dass unser Auftritt diese Tür in absoluter Gelassenheit aus den Angeln riss.
Sicher, bis dahin ist es noch ein langer Weg.
Aber dieses Team hat mit diesem Sieg, aber vor allem mit der Art, wie es gegen Bamberg aufgespielt hat bewiesen, dass sich der Traum der Fans nicht länger in direkter Abhängigkeit vom glücklichen Ausgang einer Spielbegegnung  befindet.

Auch gegen den amtierenden Meister gab es keinen Moment des Zweifels am Sieg der Ulmer.
Klinge ich arrogant?
Für den Außenstehenden mag ich diesen Eindruck hinterlassen.
Wer jedoch Augenzeuge der Perfomance werden durfte wird mir zustimmen, dass das Spiel nur einen verdienten Sieger hatte.

Und genau ist es, was diese Begegnung mit allen anderen Siegen zuvor gemein hat.
Nein, es war nicht immer ein absolut dominantes Auftreten unserer Mannschaft in den hinter uns liegenden 12 Spielen und Siegen.
Es war mitunter auch nicht der auf höchstem Niveau zelebrierte Basketball, den wir präsentierten.
Aber was wir immer erkennen durften waren Spirit, Hingabe und Aufopferung.
Charaktereigenschaften die uns in die Lage versetzten, bisher jeden Gegner kontrolliert zu bezwingen
und die am gestrigen Tage wohl am besten in Form der Defense auf dem Spielfeld verkörpert wurde.

Mit absoluter Bissigkeit stand man den Bambergern permanent auf den Füßen, so dass sich ein routiniertes Abrufen der Systeme auf gegnerischer Seite überhaupt nicht einstellen wollte.
Switching und Help Defense als Garant für den Sieg.
Hatten wir einen Sahnetag?
Nein! Wir hatten den Willen, den Hunger und den Biss dieses Spiel zu gewinnen.
(Ist euch aufgefallen, dass wir die Fahrigkeit, die Nervosität der Vergangenheit komplett abgelegt haben?
Für mich einer der wichtigsten Eigenschaften im Reifeprozess des Ulmer Basketballs, der gestern wohl das mächtigste Ausrufezeichen der letzten 5 Jahre gesetzt hat.)

Ich verneige mich an dieser Stelle auch vor dem Ulmer Publikum.
Was ihr gestern abgefackelt hat war schon ganz großes Kino und wohl einer der besten Tage des Ulmer Supports.
DANKE! DANKE! DANKE!

Auch einen Tag später will die Freude über dieses Ausrufezeichen nicht abebben.
Was gibt es schöneres, als einen Montag mit einem fetten Grinsen zu beginnen und andere bekennenden Fans in der Firma ein heiseres „Ulmer!“ zur Begrüßung entgegen zu rufen?

Gott, bitte lass es nie enden.

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