Playoffs 2015 – Warum wir so sind, wie wir sind

Playoffs 2015.

Keine andere Zeit leben wir intensiver, niemals leiden wir mehr.
Herzen werden innerhalb von wenigen Tagen gebrochen, Träume zerstört und Hoffnungen bersten 1000-fach wie Luftblasen, die an die Wasseroberfläche eines Meeres Namens „Meisterschaft“ steigen.
Nur wenigen wird es vergönnt sein, das Ende der Saison mit Tränen des Glücks zu verabschieden.

Noch leben alle Anhänger der an den Playoffs teilnehmenden Vereinen den Traum von Ruhm und Ehre.
Ein Traum, dessen Storyline in allen Köpfen gleich gestrickt ist.
Der Traum von einem Kapitän, der einen silbernen Eisbecher triumphierend und unter frenetischem Beifall seiner Teamkameraden und Anhänger in die Höhe reißt.
Einem Trainer, der nach außen hin zurückhaltend aber innerlich laut schreiend die Früchte seiner Arbeit erntet.
Kurz gesagt – Phantasien vom Höhepunkt der Saison.

Der Franzose übersetzt das Wort “Höhepunkt“ – zumindest in Bezug auf das Zwischenmenschliche – mit „la petit morte – der kleine Tod“.
Nichts trifft es in meinen Augen besser.
Playoffs 2015 – der kleine Tod.
Er steckt in den Hirnwindungen aller Fans und findet Verdrängung in den Geschehnissen rund um den Meisterschaftskampf.
Denn wir wissen – Auf die Playoffs folgt der Tod für einen Sommer.
Einen Sommer ohne Basketball, in dem die einzigen Lebenszeichen in Form von Spekulationen über zukünftige Neuverpflichtungen und Abgänge in den diversen Internetforen gesendet werden. Ein Sommer ohne erweiterten Familienkreis auf Spielfeld und Rängen.

Der nahende Exodus lässt uns empfindlich werden.
Wir tragen die Nerven blank auf der Haut.
Und so reagieren wir in diesen Tagen emotional überempfindlich und mit einem gesteigerten Beschützerinstinkt, wenn es um unsere Helden des Courts geht.

Wir leben zuweilen das Tier gegenüber scheinbaren Provokateuren und deren Sympathisanten aus.
Jedes Foul an unseren Spielern wird zum eigenes gefühlten Schmerz, jeder Pfiff gegen das Team ist unberechtigt.
Mea culpa – meine Schuld!
Der Fan kann nicht anders und noch weniger dafür.
Er geht 34 Spieltage durch Himmel und Hölle, um ein in vielen Fällen scheinbar utopisches Ziel anzustreben.

Der Verlauf der diesjährigen Playoffs zeigt uns jedoch, entgegen aller Prognosen und Expertenmeinungen, dass die Playoffs fern jeder Berechenbarkeit liegen.
Alles ist möglich!
Selbst uneinnehmbare Festungen, deren Wappen ein dickes „B“ im Logo tragen, bröckeln unter dem bedingungslosen Einsatz des Gegners.
In Anbetracht dieser Voraussetzungen möge es dem Fan gestattet sein, den Gutmenschen in sich für wenige Wochen in ein tiefes Kellergewölbe zu stecken.

Lieber gegnerischer Anhänger.
Ich hasse dich nicht!
Aber Du und dein Team stehen uns im Weg auf einer Reise zu höheren Zielen.
Ihr sorgt für Schlaflosigkeit in den Nächten, in denen ich träumen möchte.
Also bitte verzeihe mir, wenn ich dich nicht unbedingt meinen „Bruder“ nenne, auch wenn uns das Durchleben dieser Endspiele zum Selbigen macht.
Du hast meinen Respekt, aber nicht meine Zuneigung!
Aber sei dir gewiss, dies ist kein Dauerzustand.

Und so leiden, hoffen und beten wir an diesen letzten Tagen und Spielminuten der Saison 2014/2015.
Kosten wir sie aus, denn der Tod für einen Sommer steht uns unmittelbar bevor.

Mit besten Grüßen eines Ulmers, der einen Traum seit Jahren hinterher jagt.

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