Schatz, ich bin kurz vor Bayreuth…

Weihnachten – Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit, der Wünsche und Hoffnungen.
Das perfekte Momentum um in sich zu gehen, tief in sich hinein zu horchen.

Wenn es um  Basketball geht, verlasse ich mich bei dieser Art der Körperbefragung gerne auf meine Emotionszentrale knapp oberhalb der Gürtellinie.
Ich blogge sozusagen aus dem Bauch heraus, um meine Gefühlslagen und Einschätzungen mit Euch zu teilen. Seit Wochen kämpfe ich verzweifelt damit die schwachen Signale aus meinem Futterbeutel zu deuten, um ein realistisches Bild  der Ulmer Mannschaft und dessen Potential zu gewinnen.
Dabei verliere ich mich im Nimmerland des Basketballs, wo Pe(te)r Pan mit seinen verlorenen Jungs einen harten Kampf mit sich selbst und gegen die gestellten Aufgaben ausfechten.
Ein Haufen hochbegabter Darsteller, der immer noch mitten in der Teamfindung verweilt.
Dem Einzelpotential geschuldet, befindet sich die Ulmer Mannschaft auf einem Platz im oberen Tabellendrittel. Ein trügerisches Bild, welches es dem Betrachter einfach macht, sich zurück zu lehnen und den Slogan „es läuft doch“ zu propagandieren.
Wie bitte soll, oder besser gesagt darf man Kritik an einer Mannschaft üben, die bis zuletzt eine Siegesserie in der Liga hingelegt hatte und im europäischen Wettbewerb kurz vor dem Einzug in die nächste Runde stand? An einer Mannschaft, die vor der Saison sozusagen mit Gold aufgewogen wurde, indem man ihr den Titel „Bestes Team ALLER ZEITEN“ auferlegte!

So bitter es auch klingen mag – wir halten Katzengold in unseren Händen.
Auf den ersten Blick edel und kostbar, aber einer genaueren Prüfung nicht Stand haltend.
Den Bosch, Brindisi und zuletzt Göttingen waren die jüngsten Prüfungen, die den Goldlack blättern ließen.
Das Ulm schon immer von einer gesunden Dreierquote lebte ist kein Geheimnis.
Doch mindestens genauso wichtig waren Teamspirit und Leidenschaft!
Genau diese Tugenden vermisse ich derzeit bitterlich.

Es bringt nichts, den „will to win“ auf der Straße zu proklamieren, wenn man sich in der Arena mit der Frage „Do you WANT to win ?“ konfrontiert fühlt. Warum spielen wir derzeit fern jeder Hingabe? Warum habe ich das Gefühl, dass auf dem Court reine Arbeit verrichtet wird und nicht eine Passion, eine Liebe zu einem Sport gelebt wird, dessen Ausübung verdienterweise honoriert wird.

Ja genau das ist der Grund, warum ratiopharm Ulm dieses Jahr in der Kritik der Fans steht.
Wir sehen euch nicht beißen! In einer nach außen hin befremdlich wirkenden Gleichgültigkeit nehmt ihr euch eurer Aufgabe an und erlebt Höhen und Tiefen in scheinbar zementierter Gefühlsstarre.
So kennen wir euch nicht!

Hört auf, die Schuld am holprigen Spielbetrieb in der Leistung einzelner Spieler zu suchen.
Ein Tommy Mason Griffin wurde zeitweise auf Eis gelegt, weil man in seiner Person nicht die notwendige Qualität für ein ordentliches Setplay erkennen wollte.
Ein Assist benötigt einen Geber und Empfänger!
Was das betrifft sehe ich das Problem nicht beim „Postamt“ sondern vielmehr bei der Haustüre.

Unbekannt verzogen – Empfänger nicht ermittelbar.

Auch unser Floor General scheint zeitweilig am Aufzug eines Systems zu verzweifeln.
Das hin und wieder sehr gut funktionierende pick&roll zwischen Per und Tim kann nicht über die eklatanten Defizite im Ulmer setplay hinwegtäuschen.
Wo dieses fehlt, muss eben die Kampfsau her. Doch auch in Hinblick auf diese Tugend muss ich leider den Blick ins Leere schweifen lassen, wenn dieses Tier nicht gerade das Trikot mit der Nummer 24 übergezogen hat.

Und so umkreisen wir orientierungslos die Dreierlinie und hoffen weiter auf die Wiederauferstehung unserer Low Post Qualitäten oder sehen unser Heil in „Hail Mary Moves“ zum Korb.
Die eigentlich ordentliche Defense verliert jede Wirkung, weil sie nicht konsequent genug bis in die letzte Sekunde durchgezogen wird oder die Help Defense wieder einen Schritt zu spät am Mann steht.

Heute ist der 23. Dezember und wir werden uns wieder in Heerscharen dazu aufmachen, euch beim Spiel gegen Bayreuth zu unterstützen.
Dies tun wir aus Liebe zu diesem geilen Sport, aber vor allem, mit ganzem Herzen für EUCH!
Und wir hoffen darauf, dass wir morgen nicht nur die Geburtsstunde des Heilands, sondern auch die eines neuen Ulmer Teams feiern können.
Ein Team das endlich sein wahres Gesicht zeigt und den Gegner zur Not an den „Christbaumkugeln“ durch die Arena zerrt. Ein Team das uns wieder daran glauben lässt, dass der Spieltag nicht nur eine Arbeitstag ist und ein Dunk nicht für das eigene Ego, sondern für die Teamkameraden krachend durch die Röse gedonnert wird.

Nicht weil WIR das so wollen, sondern weil IHR das könnt.

In diesem Sinne – Feliz Navidad! Wie der Schwabe so schön sagt…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.